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Strategie & Innovation

Design-Thinking Empathie Übung: Was möchten sie trinken?

Lens Envy, Ausschnitt cc by-nc 2.0

Die Silvesterparty ist noch frisch in Erinnerung. Was haben Sie Ihren Gästen zum Trinken serviert? Sekt, Bier, Limo? In diesem Artikel beschreibe ich eine unterhaltsame kurze Übung, die einen perfekten Einstieg in das Thema Empathie gibt. Die Übung heißt „Was möchten Sie trinken?“, dauert ca. 45 Minuten und kann in Workshops und Seminaren zum Design-Thinking, Human-Centered-Design, Service-Design oder Design-Research angewendet werden. Das Handout findet sich hier zum Herunterladen.

Research und Empathie

Basis jeder gelungenen Service- oder Produktentwicklung bildet das tiefe Verständnis für die Lebenswelten der Nutzer. Dieses Verständnis wird in einem nutzerzentrierten Research-Prozess aufgebaut. Am Ende eines solchen Prozesses soll das Team nicht nur die Probleme, Sorgen und kulturelle Codierung der Nutzer verstehen (kognitive Empathie), sondern diese emotional nachfühlen können (emotionale Empathie).

Die Empathie im Team für die Nutzer garantiert, dass die zukünftigen Produkte und Services nicht an den Menschen „vorbei“ entwickelt werden.
„Natürlich kennen wir unseren Nutzer“ – sagen viele Unternehmen, die ihre Märkte ständig beobachten und regelmäßige Kundenbefragungen sowie Studien durchführen. Die Research und Empathie aus der Designsicht hat wenig mit der Vogelperspektive der quantitativen Untersuchungen zu tun. Sie finden direkt mit den Nutzern im unmittelbaren Nutzungskontext statt und kann mit der Arbeit von Ethnologen verglichen werden.

Rahmenbedingungen für den Workshop

  • Dauer: ca. 45 Minuten, kann verlängert bzw. verkürzt werden
  • Gruppengröße: maximal 20 Teilnehmer
  • Arbeitsform: Partnerarbeit + Präsentation und Reflexion in der Gruppe
  • Materialien Minimum: Handouts, bunte Stifte, Papier.
  • Materialien Maximum: Post-its, verschiedenste Materialien, die bei einem „looks like“- oder auch „feels like“-Prototypbau nützlich sind.
  • Musik ist immer ein Plus.
  • Lerninhalte: Empathie bilden, Interview aufbauen und durchführen, Interview analysieren, Ideen schnell visualisieren, Feedback geben und aufnehmen.
  • Verwand mit: „Wallet game“, „Gift game“
  • Kann durch „Empathie Map“und „Customer Journey“ erweitert werden

Die Aufgabe „Was möchten Sie trinken?“

Die Aufgabe: ein ideales Urlaubsgetränk für den Workshop-Partner zu zaubern. Statt es zu erraten, lernen die Teilnehmer zu recherchieren, Daten auszuwerten, diese zu interpretieren, daraus eigene kreative Lösungen abzuleiten, diese schnell zu visualisieren und schließlich Feedback einzuholen, um den Prototyp zu verbessern.

Diese fünf Schritte spiegeln den Design-Thinking-Prozess wieder, die Übung selbst legt aber den Schwerpunkt auf die Empathiebildung: Der Erkenntnis darüber, wie wichtig die Recherche in einem Design-Prozess ist und wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Menschen sein können, ist zentral.

Ablauf in einem Design-Thinking-Workshop

 

1. Teilnehmer vorbereiten

  • Die Aufgabe erklären. Zum Beispiel: Heute dürfen sich alle als Barkeeper probieren! Wir haben 20 Minuten Zeit, um einen perfekten Drink für unseren ÜbungspartnerIn zu kreieren. Einen Drink, den er oder sie in einem besonderes schönen Urlaubsmoment zu sich nehmen würde.
    Tipp: Nicht die Lernziele hier verraten, diese sollen als eigene Reflexion zum Schluss formuliert werden
  • Gruppe in Zweier-Pärchen aufteilen.
  • Handouts austeilen und die einzelnen Schritte kurz erklären. Hier die Teilnehmer in die Besonderheiten der Interview-Methode einführen: offene Fragen stellen, versuchen eine Antwort mindestens 5 Mal zu hinterfragen, sehr aufmerksam zuhören, selbst nicht zu viel reden etc. Fragen der Teilnehmer gleich beantworten.
    Tipp: Unbedingt die zeitlichen Limits hervorheben und auf die vorhandenen Prototypmaterialien hinweisen
  • Schöne ruhige Musik anstellen
    Tipp: bereiten Sie eigene Playlisten vor. Ich greife immer wieder zu Spotify-Listen oder frage die Teilnehmer, ob sie eigene Musik spielen möchten.

Zeit: ca. 10 Minuten

 

2. Übung durchführen

  • Partner-Interview Teil 1
    Zeit: 6 Minuten (drei Minuten pro Person)
  • Partner-Interview Teil 2
    Zeit: 6 Minuten (drei Minuten pro Person)
  • Erste visuelle Ideen
    Hier geht es nicht darum, eine perfekte Lösung zu finden, sondern mehrere Ideen aufzuzeichnen!
    Zeit: 6 Minuten
  • Feedback zu den ersten Ideen
    Erste Ideen dem Übungspartner zeigen und um Feedback bitten
    Zeit: 6 Minuten (drei Minuten pro Person)
  • Prototypen entwickeln, Drink visualisieren
    Feedback des Nutzers fließt in den Entwurf ein.
    Zeit: 6 Minuten
  • Den Drink dem Projektpartner noch einmal vorstellen.
    Zeit: 6 Minuten (drei Minuten pro Person)

 

3. Reflexion

  • Präsentation
    Jeder Teilnehmer stellt kurz sein Drink vor und erklärt die Entstehungsgeschichte.
    Zeit: ca. 1,5 – 2 Minuten pro Teilnehmer
  • Reflexion:
    Was hat die Teilnehmer überrascht und warum? Was war anders als erwartet und warum? Was lernen wir über die Empathie?
    Zeit: je nach Gruppengröße 10 bis 25 Minuten
  • Erfahrungen mit dieser Übung

    Für meine Design-Thinking-Studenten an der HTW-Berlin suchte ich nach einer Alternative zu den üblichen Einführungsspielen. Dabei erinnerte ich mich an dieser Übung, die ich einst im Rahmen einer Design-Thinking-Fortbildung an der HPI-Design-Thinking-School in Potsdam machen durfte. Inzwischen haben sich die Autoren bei mir gemeldet. „Design a Drink“ wurde im Jahr 2009 von Bettina Michl, Simon Blake und Robin Mehra an der HPI School of Design Thinking entwickelt. Da ich den Fokus auf Empathie und die Interviews legen wollte, wandelte ich die Aufgabe entsprechend um.

    Die Übung ist bei den Studenten sehr gut angekommen und sorgte für gute und produktive Stimmung. Die Resultate zeigten deutlich, wie unterschiedlich die menschlichen Vorlieben und Bedürfnisse sein können und weckten das Interesse der Studenten an verschiedenen Design-Research-Methoden.

    Skizzen aus dem Seminar an der HTW-Berlin

    Stylischer urbaner Cocktail mit einem Hauch Exotik

    Energy-Drink mit speziellem Knister- Effekt für die Autofahrt in der Nacht

    Eine mobile Tee-Zeremonie für die Familienwanderung im Himalaya

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