Zwetana Penova Connecting Design

Strategie & Innovation

Design-Thinking an der Hochschule – ein Plus!

Bingo! Ich schaue mir die Liste meiner Studenten an und kann vor Glück meinen Augen nicht trauen: 20 Menschen aus acht Ländern (Indien, Indonesien, Belgien, Australien etc.), die dazu noch unterschiedliche Fächer studieren: Eventmanagement, Mode-Design, Interaction-Design, Business-Administration, visuelle Kommunikation, Game-Design und Bioinformatik. Jeder, der schon einmal Design-Thinking unterrichtet hat, ist bestimmt neidisch. Für alle Anderen erkläre ich hier gerne meine Begeisterung.

Was ist Design-Thinking?

Das Design-Thinking ist eine Methode, um  innovative Lösungen für  komplexere Probleme zu finden.  Die Methode besteht aus fünf iterativen Schritten, die bei Bedarf wiederholt und hinterfragt werden. Der Prozess lässt sich grob in zwei Bereichen aufteilen: das Problem verstehen und die Lösung finden.
Mehr zu dieser Methode bitte hier nachlesen: Design-Thinking kompakt

Design-Thinking als Seminar-Methode

Was macht nun diese Methode im Rahmen einer Hochschule so interessant? Hier ein paar Gedanken dazu am Beispiel eines Seminars, das ich dieses Semester zusammen mit Angela Weisskoppel an der HTW Berlin durchführte. Die Ausgangssituation kurz zusammengefasst:

  • Internationale und interdisziplinäre Gruppe von 20 Studenten
  • Fünf volle Tage von 9.00 Uhr bis 16.30 Uhr
  • Unterrichtssprache Englisch
  • Eine für alle TeilnehmerInnen relevante  Aufgabe: „Wie überlebt man als AustauschstudentIn den ersten Tag an der HTW?“ – die alle dazu einlud, ihre frischen Erfahrungen zu reflektieren.
  • Expertise von Angela Weißköppel in Fragen der Teambildung
  • Ein Arbeitsraum, den sich die Studierenden während des Seminars zu eigen machen können

Breites Verständnis des Begriffs „Design“

Jede Einführung in das Design-Thinking in einer homogenen Gruppe beginnt mit einem viel zu engen Verständnis von Design. Im Deutschen wird das Wort „Design“ im Alltagsgebrauch oft nur auf die visuelle Gestaltung reduziert.  Dazu kommt noch eine enge fachliche Interpretation, die die Sicht einschränkt.

In einem interkulturellen und interdisziplinären Kontext dauerte es keine 10 Minuten – schon hatten wir zahlreiche  Facetten notiert, die das Design von dem rein visuellen Kontext befreien – ein wichtiger „Aha-Moment“. Design als Prozess, als Versprechen, als Business- und Innovationsmotor, um nur ein paar Interpretationen zu nennen.

Teamarbeit

Teamarbeit beschreiben die Studierenden oft als schwer zu organisieren und durchzuführen. Dabei bleibt ihnen verborgen, wie viel Spaß und Inspiration ein gelungenes Miteinander bringen kann.

Design-Thinking basiert auf der Zusammenarbeit in einem Team. Damit das Team zusammenwachsen kann, bietet die Methode spezielle Regeln und Reflektionstools. Teamziele, der Umgang miteinander, die Prozesse der Zusammenarbeit und die einzelnen Phasen werden definiert und reflektiert. In einem Design-Thinking-Seminar erfahren die Studierenden, dass gelungene Teamarbeit kein Zufall ist, sondern innerhalb des Teams gesteuert und modelliert werden kann.

Feedback und Kritik

Wie sieht es mit der Feedbackkultur an den Hochschulen aus? Viele Studierenden vermischen Feedback mit Kritik und beschreiben sie als „Reaktion von Dozenten auf meine Arbeit“ und „kritische Anmerkungen, wie und warum ich etwas verändern und verbessern muss“.

Im Design-Thinking findet das Feedback gleich auf drei Ebenen statt:

  • Im Team als kontinuierlicher Modus der Zusammenarbeit. Dabei wird innerhalb des Teams das Bewusstsein dafür geschaffen, „die Ideen der Anderen weiter zu denken“, statt diese bloß zu kritisieren.
  • Unter den Teams: In kurzen Abschnitten wird hier Feedback und Kritik von den anderen Teams eingeholt. Der Lerneffekt hier, vor allem, wenn alle Teams die gleiche Aufgabe bearbeiten, ist: mehr Ideen und Anregungen zu bekommen.
  • Feedback der potenziellen Nutzer: Schon in den sehr frühen Phasen werden kleine Prototypen (Storyboard, Moodboards etc.) erstellt, um die Vermutungen und Ideen zu testen.

Der Design-Thinking-Prozess räumt viel Platz für Feedback ein und lässt die Studierenden die Kritik als notwendiges und inspirierendes Werkzeug kennenlernen.

Interdisziplinarität

Dass Interdisziplinarität für die Studierenden eine Bereicherung ist, haben inzwischen viele Hochschulen erkannt und bieten daher fachübergreifende Seminare und Projekte an. Verschiedene Disziplinen im Kontext einer Hochschule zusammenzubringen, verlangt ein System, und das Design-Thinking gibt einen guten Rahmen dafür vor.

Die Methode sieht vor, dass die Teammitglieder unterschiedliche Fachkompetenzen in das Team einbringen, was die Entwicklung enorm voran treibt. Voraussetzung ist, dass die Teammitglieder lernen, das Fachchinesisch zugunsten einer gemeinsamen Sprache abzulegen.

Während des Design-Thinking-Prozesses lernen die Studierenden systematisch interdisziplinär  zu denken und zu kommunizieren.

Kreativitätsmuskeln

Viele Mythen um die Kreativität schränken die Studierenden ein. Dabei ist das kreative Denken und Arbeiten nicht etwas, was nur den klassischen kreativen Fächern wie Design und Kunst überlassen werden darf. Management, Business, Ingenieurwissenschaften, Pädagogik usw. brauchen diese Innovation. Dies kann nur durch Kreativität entstehen.

Die Methode des Design-Thinkings lehrt, dass es nicht nur eine richtige Lösung, sondern viele richtige Lösungen geben kann. Die Konsequenz daraus: nach möglichst vielen, nicht standardisierten Lösungen und Ansätzen suchen. Diese Quantität ist nur durch kreatives Denken und Handeln zu erreichen. Dafür bietet das Design-Thinking zahlreiche Methoden und Tools, welche die Kreativität trainieren.

Mit Design-Thinking starten

Warum plädiere ich so stark dafür, das Design-Thinking an den Hochschulen für die Seminararbeit einzusetzen und nicht nur als Einführung in die Methode auszuprobieren? Die Studierenden werden in einen Arbeitsmodus versetzt, in dem sie gleichzeitig mehrere wichtige Fähigkeiten ausbilden und einüben. Diese Synthese aus Teamarbeit, Interdisziplinarität, Feedbackkultur und Kreativität bringt das Seminar nah an die Realität außerhalb der Hochschule heran und motiviert die Studierenden zu experimentieren.

Die Methode ist sehr flexibel und lässt sich gut mit verschiedenen Kreativ- und Managementtechniken  kombinieren. Habe ich schon den Spaßfaktor erwähnt, sowohl für die Studierenden als auch für die Dozenten? Dann bitte diese Bilder anschauen!


Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer mit Empathie begegnen.

Arbeit im Team

Visuelle Prototypen bauen und präsentieren

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